O Gott, vielleicht doch ein klein wenig Glückt vielleicht das Glück des Tieres bloß, das unwissende, unbewusste Glück der Herde, sonnenhaft umstrahlt von der verblutenden Heilandsmajestät meines wissenden Gehirnes!
In der starken Mutterkrippe des Sonnengeflechtes müsste es von selbst, wie mit der Wünschelrute hingezaubert, plötzlich liegen; von dort, ja, von dort müsste es kommen, das prometheische Licht der Erlösung.
Und mit weit gen Westen offenem Portal steht die Kirche meiner Seele da, das zertrümmerte Jerusalem meines Gehirns, palmengeschmückt, um den Bräutigam zu empfangen, den Sohn der Gottestrunkenheit, der neuen, ewigen Beglückung.
Und wie ein Erzpriester steh’ ich armer Menschensohn auf den Stufen des Altars und warte. Mit ausgestreckten Armen, mit starr gen Morgen gerichteten Augen steh ich da und warte.
Palmenwedel um mich, die Hand getaucht ins heilige Feuer des Opferbeckens, vom geweihten Rauch der Glut und Räucherwerk umdampft, so steh’ ich da, ich alter Simeon des Gehirnes, um das Kindlein, das neue, zu empfangen, — das Kindlein, den neuen Heiland der Erlösung.
Erlösung — Erlösung!
VI
Ich denke drei Jahre zurück.
Wie viel Glückseligkeit damals, wie viel Begierden, die mir seitdem zum Ekel wurden, wie viel Hoffnungen, die nun zerstört sind, und wie viel Herzenswärme — oh ja, Herz, Herz...
Um meinen Schreibtisch spielt mein zweijähriger, blonder Sohn. Schmerz hat ihn geboren, Schmerz spricht aus seinen Zügen, schmerzhafte, kranke, alte Wehmut aus seinen Bewegungen. Denn Schmerz ist das Ewige, das alles geboren hat; Schmerz ist das, was endlos die Vergangenheit enträtselt, und aus Schmerz wird alle Zukunft geboren.