Die Mutter fällt mit mir in einen tiefen Graben, wir sind gerettet...

Nein, jetzt seh’ ich sie schon wieder, die wahnsinnigen Augen; sie leuchten über mir wie zwei erstorbene Sonnen in mattem, metallischem Glanz, ich sehe sie in mir, mit kalten Strahlen kriechen sie an jedem meiner Nerven in die innersten Wurzeltiefen herab, mein Herz stockt.

Ist das der Wahnsinn?

Sie — das Weib war in ihm; er — sie kommt mir als Vorbote, als ein Ölzweig des ewigen Bewusstseinsfriedens im Wahnsinn, des öden, toten Friedens der Novemberfelder am Allerseelentag.

Und dann wird die Nacht kommen — und ich am Kreuze mit der Kerze — her mit der Keule und der Kerze!

Und jetzt das Wiehern der Hölle in ihrer gottbewussten Seligkeit; mit stampfendem Fuß reißt mir der Teufel das Herz aus der Brust und zündet Feuer an im Gehirne, und ich wie ein Stier mit dem Bündel angezündeten Reisigs — toll, wild, rasend.

Nein, nein, das ist zu furchtbar.

Und einen Gesang höre ich, singend auf tausend Nervenpfeifen, zuckend mit tausend nackten Tastkörperchen, einen physischen, schmerzenden Würgegesang. Und ein Herz, ein Herz voll wüster Liebe fühle ich, wie es Blut in diesen Gesang hineingießt und ihn füllt mit Siedehitze, immer heißer, zuckender und wütender, bis er birst und sich um mich, über mich, in mich hinein ergießt mit feuchter, warmer, dampfender Blutatmosphäre. ..

Nein, es klingt anders: weiß, ganz weiß, hoch auf den höchsten Bergen geschmolzen. Im Strom fließt es hernieder ins Tal, lautlos glitscht es herab auf den breiten Eisfiesen und wird so weich und flüssig; ausgebreitet über tausend Bergabhänge, strömend über tausend nackte Felsen.

Ich höre es so mild, so weich, dies uralte Gnadenlied der nächtlichen Himmelsseligkeit mit den milden, tränenden Blicken...